Die Aggressionen auf dem Balkan leitete Italien ein, das sich nach der Besetzung Albaniens im April 1939 zum Überfall auf Griechenland vorbereitete. Die italienische Führung rechnete mit einem leichten und schnellen Sieg über Griechenland, weil die griechische Armee zahlenmäßig schwach war. Auf dieser Annahme baute sich der italienische Kriegsplan auf. Er sah einen überraschend geführten Schlag aus Albanien in Richtung Kastoria vor, durch den die Verteidigung der Griechen durchbrochen und ihre wichtigste Truppengruppierung zerschlagen werden sollte. Im Anschluss daran war der Angriff gegen Saloniki zu entwickeln, waren die Überreste der griechischen Armee zu vernichten und das Land zu besetzen.

Italien entfaltete hierzu an der albanisch-griechischen Grenze die 9. Armee mit 8 Infanteriedivisionen, einer motorisierten Division, einem Panzerregiment sowie 2 Kavallerieregimentern, insgesamt 200.000 Mann mit 250 Panzern, 400 Flugzeugen und etwa 700 Geschützen.
Die griechische Armee umfasste 1940 14 Infanteriedivisionen, eine Kavalleriedivision, 4 Kavallerieregimenter, 5 schwere Artillerieregimenter und 2 Panzerkompanien, insgesamt 300.000 Mann mit wenigen Panzern und 100 bis 130 Flugzeugen. Die Hauptkräfte der Armee befanden sich an der albanischen Grenze, während die übrigen Truppenteile auf das ganze Land verteilt waren. Den an Infanterie überlegenen Griechen stand eine mit Artillerie, Panzern und Flugzeugen weitaus besser ausgerüstete italienische Armee gegenüber. Die griechische Armeeführung wollte sich in den befestigten Linien verteidigen, um einen Durchbruch in das Landesinnere zu verhindern.

Am frühen Morgen des 28. Oktober 1940 griffen die italienischen Truppen gleichzeitig in zwei Richtungen - gegen Florina und Kastirua - an. Der überraschende Überfall und die Überlegenheit an technischen Kampfmitteln ermöglichten es den Italienern die Grenzbefestigungen zu durchbrechen und die griechischen Truppen 50 bis 60 Kilometer nach Süden hin zurückzudrängen. Aber bereits Anfang November hielt die griechische Armee den feindlichen Vormarsch auf und ging sogar selbst zum Angriff über. Die Italienischen Truppen wurden wieder auf die albanische Grenze zurückgeworfen. Auch der Einsatz der 11. italienischen Armee in Griechenland rettete die desolate Lage nicht. Bis zum 10. Dezember 1940 hatten die griechischen Truppen nicht nur ihr Land von den italienischen Aggressoren "gesäubert", sondern waren tief in Albanien eingedrungen. Auf griechischer Seite kämpften englische Luftstreitkräfte und ein Teil des englischen Expeditionskorps.

Anfang 1941 versuchten die Italiener erneut zur Offensive überzugehen. Nach ihrem Scheitern erstarrten die Fronten in einem Stellungskrieg.


Italienische Soldaten in Stellung

Zerstörter italienischer Panzer


Italien war damit nach fünfmonatigen Krieg nicht nur erfolglos geblieben, sondern hatte eine Niederlage erlitten, die praktisch sein "Abenteuer" auf dem Balkan scheitern ließ. Hitlerdeutschland billigte zwar die italienische Eroberungspolitik, beanspruchte aber für sich selbst die führende Stellung auf dem Balkan. Hitler beabsichtigte, durch die Eroberung der Balkanländer ihre wirtschaftlichen und menschlichen Hilfsquellen im Krieg gegen Russland ausnutzen zu können. Die Herrschaft über den Balkan bedeutete außerdem den Besitz einer vorteilhaften Ausgangsstellung, um die Verbindungslinien Englands im Mittelmeer zu unterbrechen und seine strategischen Positionen im Mittelmeerraum, im Nahen Osten und in Nordafrika schwächen zu können.

Das deutsche Oberkommando begann deshalb sofort nach der Niederlage der Italiener den Überfall auf Jugoslawien und Griechenland vorzubereiten. Um die erforderlichen Kräfte und Mittel zu konzentrieren zu können, verlegte das deutsche Oberkommando Truppen nach Rumänien, Ungarn und Bulgarien, wobei es sich auf Abmachungen des Dreimächtepakts berief. Im Frühjahr 1941 zog Deutschland starke Kräfte an der jugoslawischen und griechischen Grenze zusammen, während Italien seine Truppen in Albanien und Triest konzentrierte. Es wurde jetzt offensichtlich, dass sich Deutschland und Italien zur Eroberung Jugoslawiens und Griechenlands anschickten.

Angesichts der drohenden Gefahr begannen die herrschenden Kreise Jugoslawiens, die Unabhängigkeit ihres Landes preiszugeben. Die Führer der Kroatischen Republikanischen Bauernpartei setzten ihre Hoffnung auf die italienischen Faschisten und wollten Kroatien von Jugoslawien losreißen. Die großserbischen Regierungsmitglieder machten aus ihren Sympathien für Hitler keinen Hehl, während die slowenischen Minister auf den Vatikan bauten und sich die mazedonischen Separatisten für einen Freistaat Mazedonien einsetzten. Aber was alle herrschenden Parteien wollten: keinen Krieg gegen die Achsenmächte.

Dieser Lage gegenüberstehend beschloss die profaschistische Regierung Zvetkovic, dem Beispiel Ungarns und Bulgariens zu folgen. Am 25. März erklärte sie ihren Beitritt zum Dreimächtepakt, der den deutschen Truppen den Einmarsch in Jugoslawien gestattete. Der Anschluss Jugoslawiens an die Achsenmächte löste eine Welle der Empörung im jugoslawischen Volk aus. Die Bevölkerung ging auf die Straße! Rufe wurden laut: "Lieber Krieg als den Pakt!", "Lieber tot als Sklaverei!" oder "Für ein Bündnis mit Russland!". Die Regierung Zvetkovic wurde gestürzt (zwischenzeitliche wurden er und sein Außenminister sogar inhaftiert) und eine neue Regierung unter Simovic gebildet. Russland schlug der neuen Regierung den Abschluss eines Freundschafts- und Nichtangriffspakts vor. Die Regierung Simovic nahm unter dem Druck der Volksmasse den sowjetischen Vorschlag und und unterzeichnete am 5. April 1941 einen sowjetisch-jugoslawischen Freundschafts- und Nichtangriffsvertrag.

Die Ereignisse vom März und April 1941 in Jugoslawien liefen den Plänen der deutschen Führung zuwider. Sie beschloss deshalb den Überfall auf dem Balkanraum zu beschleunigen. So fällt Deutschland ohne jedwede Kriegserklärung am 6. April 1941 in Jugoslawien ein.

Die deutsche Führung plante gleichzeitig konzentrierte Schläge aus dem Raum Fiume, Graz und Sofia in allgemeiner Richtung Belgrad zu führen, durch die das jugoslawische Heer aufgespaltet und dann einzeln vernichtet werden sollte. Der Hauptstoß sollte aus Bulgarien geführt werden. Dem Angriff der Infanterie hatten heftige Schläge der Luftwaffe gegen lebenswichtige Zentren des Landes voranzugehen.
Für dieses Vorhaben mobilisierte Deutschland in Bulgarien ihre 12. Armee (15 Infanterie-, 4 Panzer-, 3 motorisierte und 3 Gebirgsdivisionen) unter Generalfeldmarschall List und in Österreich und Ungarn die 2. Armee (4 Infanterie-, 3 Panzer- und 2 motorisierten Divisionen und eine Gebirgsdivision) unter Generaloberst von Weichs. An der italienisch-jugoslawischen Grenze wurde die 2. italienische Armee (7 Infanterie-, 2 Gebirgs- und 2 motorisierte Divisionen) entsandt. In Albanien operierten die 9. und 10. italienische Armee (etwa 25 Divisionen). Für den Einfall in Jugoslawien und Griechenland wurden insgesamt 71 Divisionen, 12 ungarische Brigaden, etwa 2000 Panzer und mehr als 2000 Flugzeuge eingesetzt.
Vor dem Überfall hatte sich die jugoslawische Armee folgendermaßen organisiert: an der bulgarischen Grenze standen die 3. und 4. Armee (13 Infanteriedivisionen und 6 Brigaden) konzentriert. An der jugoslawisch-ungarischen Grenze standen die 1. und 2. Armee (9 Infanterie- und 2 Kavalleriedivisionen und 2 selbstständige Brigaden). An der Nordwestgrenze entfaltete sich die aus 8 Infanteriedivisionen bestehende 4. Armee und an der Adriaküste die 6. Armee (3 Infanteriedivisionen). Die Reserve bestand aus nur einer Infanterie- und Kavalleriedivision. Nur etwa zeit Drittel aller Divisionen waren komplett. Der Bestand der griechischen Armee blieb unverändert bei 20 Divisionen. In Griechenland stand außerdem ein rund 58.000 Mann starkes englisches Expeditionskorps.


Panzersperren behindern den raschen Vormarsch

Deutsche Soldaten beim Angriff


Den Überfall Deutschlands (Unternehmen "Strafgericht") leiteten am 6. April (Palmsonntag) schwere Bombenangriffe gegen wichtige jugoslawische und griechische Städte ein. Auch Belgrad, die Hauptstadt Jugoslawiens, wurde angeflogen. Die von fast allen Seiten in Jugoslawien eingedrungenen feindlichen Truppen stießen bereits am ersten Tag auf hartnäckigen Widerstand. Erst am dritten Angriffstag durchbrach der zahlenmäßig überlegene Gegner die jugoslawische Verteidigung im Raum Skopje und Nis und stieß mit seinen Panzerverbänden in das Landesinnere vor. Das jugoslawische Oberkommando hatte alle operativen Möglichkeiten ungenutzt gelassen. Jetzt befahl es den Truppen sich eilig an der gesamten Front zurückzuziehen. Diese Absetzbewegung wuchs bald in einen regellosen Rückzug über. Am 10. April wird Zagreb, die kroatische Hauptstadt, genommen.

Bereits am ersten Kriegstag strömten Zehntausende zu den Waffen. Die Militärbehörden hatten jedoch keinen Mobilisierungsplan und konnten keine Abwehr mehr organisieren. Einzelne Truppenteile und Verbände der jugoslawischen Armee, die, von wenigen patriotischen Offizieren geführt, verbissen kämpften, konnten aber den Ausgang der Kampfes nicht mehr entscheidend beeinflussen. Der Krieg war praktisch bereits verloren. Am 17. April flohen der König und die jugoslawische Regierung nach Athen und gingen von dort nach London. Am selben Tag unterzeichnete das jugoslawische Oberkommando den Waffenstillstandsvertrag, welcher das Land der Herrschaft der Invasoren unterwarf. Nach der Besetzung entwickelte sich in Jugoslawien ein verbissener Partisanenkampf, der bis zu zum Kriegsende andauert.

Der Angriff deutscher Truppen gegen Griechenland begann ebenfalls am 6. April. An der "Metaxas-Linie" wird erbittert Widerstand geleistet. In diesem Gebiet haben die Deutschen hohe Verluste zu beklagen (500 Tote und 1750 Verwundete). Nach dem Durchbruch gelangen die Deutschen bis zur Ägäis bei Saloniki. Nur das britische Expeditionskorps verhinderte ein noch rascheres Vordringen. Bis zum 16. April hielten die griechischen Truppen den Angriffen der Deutschen im wesentlichen stand. Erst als das deutsche Oberkommando seine Stoßtruppe durch neue Truppenteile der 12. deutschen Armee aus dem Raum Skopje verstärkt hatte, wurde der griechische Widerstand auf breiter Front gebrochen und die deutschen Verbände drangen in das Landesinnere vor. Der deutsche Durchbruch bedrohte die im Epirus gegen die Italiener kämpfenden griechischen Truppen und zwang die griechische Armee sich nach Süden zurückzuziehen. Die griechische Epirusarmee, die ihre Häfen nicht mehr erreichen konnte, kapitulierte am 23. April. Verbände der mazedonischen Armee wichen auf die Häfen des Peloponnes zurück, wo sie gemeinsam mit dem englischen Expeditionskorps nach Kreta oder Nordafrika evakuiert wurden. Am 27. April wird Athen besetzt. Am 30. April erreichen Hitlers Truppen die Südspitze des Peloponnes.  Bis zum 1. Mai 1941 besetzen die deutsch-italienischen Truppen ganz Griechenland.


Sofort nachdem der Feldzug beendet worden war, beschloss die deutsche Führung Kreta in Besitz zu nehmen, um die über die griechischen, rumänischen und bulgarischen Häfen führenden Seeverbindungen zu sichern und Englands Luftstützpunkte zu besetzen. Die Insel sollte aus der Luft genommen werden. Der Angriff wurde der 7. Flieger- (Luftlande-) und der 5. Gebirgsdivision übertragen. Zur Sicherung der Luftlandung stand das VIII. Fliegerkorps mit 430 Bombern und 180 Jägern bereit. Der Plan der deutschen Führung sah gleichzeitig Luftlandungen im Raum Kanea, Maleme, Retimo und Heraklion vor. Der Angriff auf Kreta begann am 20. Mai. Bis zum 27. Mai hatten die Fallschirmjäger Kanea und den westlichen Teil der Insel erobert. Die im Raum Retimo abgesetzten Truppen stießen auf hartnäckigen Widerstand und mussten völlig eingeschlossen weiterkämpfen. Erst am 29. Mai konnten sie sich mit den von Kanea vorstoßenden Truppen vereinigen. Am Abend des 2. Juni war auch Kreta in deutscher Hand.


Gefangenenüberwachung

Deutsche "Fallis" vor dem Abflug


In nicht einmal zwei Monaten gelang es den Achsenmächten Jugoslawien, Griechenland und Kreta zu erobern. Die strategische Lage in Südosteuropa verbesserte sich damit erheblich. Deutsche Truppen standen jetzt an der Küste des Mittelmeeres und bedrohten unmittelbar die englischen Seeverbindungen. Durch die Besetzung der Balkanhalbinsel war bei einem Krieg gegen Russland der rechte Flügel der Wehrmacht völlig gesichert. Ganz West- und Mitteleuropa war in deutscher Hand. Die Eroberung des Balkans mit seinen Hilfsquellen an Menschen und Material stärkte das wirtschaftliche Potential enorm.